Archiv 2017


Großes Fest zum 80. Geburtstag von Sr. Justine mit Ehrung langjähriger Mitarbeiter


Archiv 2016

Liebe Freunde, ein Jahr sind wir schon in Malawi, was bedeutet das?

 

Klaus hat, mit bescheidenen Mitteln, ein Angebot im Bereich der Frauenheilkunde etablieren können. An drei Tagen der Woche können Patienten zu Ihm kommen um sich untersuchen zu lassen, etwa so wie in einer Frauenarzt-Praxis in Deutschland. Wie uns der malawianische Krankenhausdirektor immer wieder versichert ist die Tatsache, dass Patienten, zwar gegen eine kleine Gebühr, aber ohne monatelanger Wartezeit und Termin von einem Facharzt der Frauenheilkunde untersucht und behandelt werden können etwas völlig aussergewöhnliches hier in Malawi, selbst für die städtische Bevölkerung. Umso mehr ist er dankbar, diesen Service hier auf dem Lande an unserem Missionskrankenhaus anbieten zu können. An den verbleibenden Tagen der Arbeitswoche kann mein Mann operieren – bei Notfällen überwiegen schwere Krankheitsbilder wie wir sie in Deutschland kaum mehr sehen, bei geplanten Operationen sind die Gründe meist ähnlich wie in Deutschland. Sehr gefreut haben wir uns über tatkräftige Unterstützung aus der Eifel und Luxembourg wodurch wir OP-Instrumente und einen OP-Tisch bereits erhalten haben. Ein Gynäkologischer Untersuchungsstuhl ist noch auf dem Weg hierher.

Die Krankenhaus Apotheke

Catherine betrieb zunächst die Anerkennung ihrer Ausbildung als Krankenschwester in Malawi und absolvierte dazu ein sechs Wochen Praktikum in dem großen Zentral-Krankenhaus der Hauptstadt Lilongwe. Seit Anfang Juli dann leitet sie die Krankenhaus-Apotheke am hiesigen St Gabriel´s Hospital. Hier ist die große Herausforderung immer die benötigten Medikamente und andere Verbrauchsmaterialien vorrätig zu haben, das Verfallsdatum im Auge zu behalten, mit den Tücken der Finanzierung zurecht zu kommen und auch noch sesonale Krankheitshäufungen zu beachten.

Wir haben schon den Eindruck am richtigen Ort zu sein: wir könne vielen Manschen helfen für die sonst eine Behandlung nur weit weg oder gar nicht möglich wäre.

Auch sonst geht es uns gut: wir leben auf dem weiträumigen Krankenhaus-Gelände in einem großzügigen Haus und haben uns drumherum einen schönen Garten mit Palmen, Blumen, Passionsfrucht, Papaya, Orangen Bäumen und Zitronen-Gras Büschen angelegt. Der Gemüse Garten mit Tomaten, Gurken, Salat, Bohnen, Mangold etc. erweitert die Speisekarte! Wir nehmen am Gemeindeleben der hiesigen katholischen Kirchengemeinde teil soweit es uns unsere noch sehr beschränkten Kenntnisse der hiesigen Sprache – Chichewa – zulässt. Im Kreis der Niederländichen und Deutschen Ärzte und Missionare treffen wir uns regelmäßig und hin und wieder schaffen wir es auch in die 60km entfernte Hauptstadt Lilongwe zum einkaufen oder auf einen Restaurant oder Bar-Besuch mit Live-Musik

Zu Weihnachten hat es uns wieder nach Deutschland gezogen und am 19. Januar geht es zurück ins „warme Herzen Afrikas“!

 

Liebe Grüße,

 

ein frohes Weihanchtsfest und ein gesundes Jahr 2017 wünschen Euch

 

Catherine und Klaus Flohr



Archiv 2015:  Muttertag in Malawi! Abenteuerbericht von Catherine Flohr

Was wir nicht wussten: Muttertag ist hier in Malawi ein nationaler Feiertag und wird am 15. Oktober – dem Geburtstag der ehemaligen Präsidenten-Gattin, gefeiert. Im Laufe der Woche spricht mich Elisabeth, die Clinical Officer der Ambulanz, an: Donnerstag ist Feiertag und wir, die im Krankenhaus angestellten Frauen, haben einen Ausflug an den Malawi-See organisiert. Noch ist ein Platz frei – kostet 7000 Kwacha (etwa 11 €) plus Taschengeld!

Gibt es eine bessere Gelegenheit sich untereinander kennen zu lernen als solch ein Ausflug? Also ist meine Antwort: Ja – Cordula, die deutsche Medizinstudentin und ich fahren mit!

Am Abend zuvor entsteht die Frage: was zieht man für solch einen Feiertags-Ausflug an? Dafür extra jemanden anzurufen ist mir zu blöd. Also lege ich meine Sonntags-Bluse und Rock sowie den Badeanzug zurecht. Eine Stunde vor Sonnenaufgang, morgens um 4.00 Uhr bringt mich Klaus zum Treffpunkt vor dem Krankenhauseingang. Bepackt mit Taschen, Koch-Utensilien, Grill und kleinen Kindern finden sich immer mehr Frauen ein.

Die Stimmung ist euphorisch – gelöst: einige singen und tanzen, andere laufen umher und organisieren, aus den Lautsprechern der beiden 14-Sitzer Mini-Bussen schallt Musik über die Straße. Bin ich richtig angezogen? Elisabeth klärt mich auf: Hose /Leggings, T-Shirt und Turnschuhe sind besser – also nochmal umziehen!

Endlich mache ich es mir im Minibus gemütlich – neben mir Catherine, die KH-Sekretärin mit ihrer ca. 4 Monate alten Tochter und Cordula vor mir. Aber drei pro Sitzreihe reicht ja nicht: um die 14 Passagiere pro Bus voll zu machen müssen sich in jede Reihe vier quetschen und zwei neben den Fahrer. So sitzen wir endgültig Haut an Haut mit Kind und Kegel erwartungsvoll in diesem Minibus.  

Nach einigem hin- und her und einem inständigen Gebet sind wir im dann im Morgengrauen tatsächlich unterwegs, zunächst Richtung Lilongwe, der Hauptstadt Malawis und dann weiter zum See. Die Landschaft ändert sich graduell: mehr Hügel, größere Bäume, hin und wieder bewässerte Gemüsebeete. Die Musik ist schrill, die Unterhaltung lebhaft aber in Chichewa, der Landessprache die ich nicht verstehe. Hin und wieder kommt mir ein Wort bekannt vor aber in kritischen Situationen muss ich doch immer wieder nachfragen:

Ist unser Partnerbus liegengeblieben? - Nein es fehlt nur an Benzin!

Wofür wird wieder Geld eingesammelt? – Für den nächsten Polizeiposten!

Wo wollen all die anderen Fahrzeuge in diesem Stau hin? - Auch zum See!

Gibt es eine Raststätte für die dringendsten Bedürfnisse? - Nein, wir spannen Tücher auf!

Endlich am Livingston Beach – einer großen Bucht mit breitem Sandstrand – angekommen, gehen die Aktivitäten erst recht los: an einem schattigen Platz unter Bäumen werden Holkohlengrills in den feinen Sand gestellt. Sobald ausreichend Kohle glüht wird diese auf zwei weitere Kochöfen verteilt damit jetzt gleichzeitig Reis gekocht und Hühnchen und Rindfleisch gegrillt werden können. Cordula und ich schneiden Tomaten für den Salat, andere sind im kristallklaren, warmen Wasser unterwegs und wieder andere tanzen sich mit hunderten weiteren Begeisterten bei brütender Hitze auf der Bühne vor einem malerisch bizarren Felsen mitten auf dem Strand zu lautem Techno-Beat die Seele aus dem Leib. Intensivste Koch-und Grillgerüche liegen über dem Strand: Mais und Kartoffeln, Reis und Süßkartoffeln, Jams und Ziegenfleisch, Fisch und Gemüse – was immer man sich vorstellen kann.Mit Beachvolleyball und Schwimmen vertreiben wir uns nach dem ausgiebigen Picknick den Nachmittag und nach einer langen Rückfahrt kann ich Klaus gegen 23.00 Uhr im sicheren Zuhause wieder in die Arme schließen.


Ein typischer Tag im Oktober:

Dienstag und Donnerstag ist großer OP-Tag für die Gyn: geplant sind eine Längslap bei Cx-Ca FIGO IIB1 (Bauch –OP bei Gebärmutterhalskrebs); eine Pfannenstiel-Laparatomie bei V.a. Dermoidcste (Bauch-OP bei Eiserstocks-Cyste); eine Ausschabung bei Missed Abortion (Fehlgeburt) und ein geplanter Kaiserschnitt bei Plazenta Prävia Totalis (Nachgeburt liegt vor dem Muttermund).

Soweit der Plan – tatsächlich hat Mr. Rodgers, der Clinical Officer, morgens während der Frühbesprechung schon den Kaiserschnitt angefangen weil die Patientin mit der Plazenta prävia totalis in der Nacht unter Wehen geriet und an zu Bluten fing. Im Kreissaal erfahre ich dann zufällig von der jungen Erstgebärenden unter der Geburt die so ca. 7 Monate schwanger wäre. Jetzt kommen Probleme zu Tage die die tägliche Arbeit hier ungeheuer bestimmen:

·       die Leute kommen im letzten Moment – oftmals auch wegen der großen Enfernung bzw. schwierigem und teurem Transport.

-   kaum jemand weiss das Datum seiner letzte Periode aus der dann ein Entbindungstermin errechnet werden könnte

·       Und: auch wenn es in diesem Fall schon zu spät gewesen wäre: Tokolyse (Wehenhemmung) gibt es auch nicht!! Mal sehen wie es weitergeht:

Ich finde ein paar Ampullen Dexametason und denke mir – besser als nichts und überrede eine der Schwestern einen Tropf anzulegen und damit RDS-Prophylaxe (Cortison-Spritzen zur Lungenreifung des Frühgeborenen) zu betreiben. Die werdende Mutter ist vollständig (MM vollständig – 10cm geöffnet) und die Schwester will die Fruchtblase eröffnen – ich kann sie gerade noch daran hindern! Drei Wehen später steht die Fruchtblase wie ein Luftballon in der Vulva und wird jedesmal größer. Jetzt mit der Nadel eine Punktion, das Fruchwasser fließt langsam im hohen Bogen heraus und der Kopf rutscht hinterher. In der nächsten Wehe ist das Kind geboren: ein feines Mädchen mit papierdünner rosiger Haut, strampelnd – ca 1000g! Wie weiter???

Offensichtlich will dieses Kind leben! Es quäckt, will atmen aber hat deutlich Zeichen der Respiratorischen Insuffizienz: Intercostal-Einziehungen, Nasenflügeln und laute Expiration. Ja, ein holländicher Arzt – ca. 75 Jahre alt – kümmert sich hier um die besonderen Kinder: Sauerstoff, Wärme, Magensonde und viel Zuneigung im Holz-Inkubator müssen reichen und tatsächlich: am Abend lebt das
Kind noch!

Jetzt geht es im OP weiter: Eine Steinschnittlagerung???? Eine OP-Schwester???? Zum Glück ist neben Mr. Rodgers eine deutsche Studentin da die sich im OP ganz gut auskennt: zu dritt schaffen wir es überraschend gut die Gebärmutter lege artis herauszuholen,  obwohl

·       keine Schere wirklich schneidet

·       die Cutgut-Fäden meinem Zug nicht standhalten

·       ich andere Fäden immer erst einfädeln muss

·       die Rahmenteile nicht wirklich zusammenpassen

·       die Nadelhalter die Nadeln auch nicht wirklich festhalten

·       man während der OP die Kompressen fleißig zu Tupfern falten muss

·       keine Overhalt aber 10 Absetztklemmen auf dem Sieb zu finden sind.

Die Anspannung lässt mich völlig vergessen dass mir der Schweiß nur so vom Körper tropft: ich stehe wie alle anderen hier bei 27 bis 30 Grad mit schwerer Gummi-Schürze und und hohen Stiefeln am OP-Tisch.

Jetzt kommt erst einmal die Notfall-Ausschabung bei einer Frau aus Mosambik die vor drei Tagen zu
Hause ihr Kind bekommen aber ihre Plazenta (Nachgeburt) noch in der Gebärmutter hat. Die geplante Entfernung des Dermoids ist erstaunlich problemlos – auch finden sich all die Instrumente, die vorhin gefehlt hatten jetzt wieder! Missed Abortion ist o.k. und der Tagesabschluß stellt der Kaiserschnitt bei einer Zwillings-Schwangerschaft, beide in Steißlage, dar. Erwartetes Entbindungsdatum ????


Archiv 2015: Begrüßung

Herzlich Willkommen auf unserer Homepage!

Freunde, Verwandte, Bekannte und Interessierte sind eingeladen auf diesen Seiten unser Abenteuern mitzuerleben. Gelingt der Abschied vom vertrauten Deutschland? Was finden wir vor? Begenen wir Menschen die uns helfen und denen wir vertrauen können? Trotz der unbekannten Sprache? Wie werden die Menschen denen wir begegnen uns empfinden? Alles Fragen die uns bewegen und über die hier auf diesen Seiten, Schritt für Schritt, erzählen wollen.

Informiert Euch unter „Das Krankenhaus“ über das St. Gabriel`s Hospital in Namitete, MALAWI. Unter „Medizinisches“ gibt es Statistiken, Berichte über Erfolge und Misserfolge im Krankenhausalltag  etc. – Achtung, es könnte blutig werden! Im Archiv können ältere Artikel und Bilder nochmal nachgesehen werden und an unseren „Abenteuern“ in Malawi wollen wir Euch natürlich auch teilhaben lassen!

Eure Catherine und Klaus Flohr


Archiv 2015: Fotos Abschied von Deutschland