Das Gesundheitssystem in Malawi



Das St. Gabriel´s Hospital ist nicht nur hinsichtlich seiner Lage und Architektur nicht mit einem deutschen Krankenhaus vergleichbar. Schon das Gesundheitssystem ist völlig anders: es gibt keine verpflichtende Krankenversicherung und so ist 96% der Bevölkerung auf den staatlichen und / oder kirchlichen Gesundheitsdienst angewiesen.  Im staatlichen System muß – nominell – niemand bezahlen aber dann ist es auch so, dass man mehrere Wochen auf eine Behandlung warten muss und dann keine Labor-Reagenzien, keine Medikamente und keine Op-Materialien vorhanden sind. In den Kirchlichen Einrichtungen müssen sich die Patienten – in unterschiedlichem Ausmass – an der Finanzierung beteiligen, hauptsächlich zur Bestreitung der Kosten von Medikamenten, Verbrauchsmaterialien und Verwaltung. Die grundlegenden Personalkosten werden von CHAM (Christian Health Association of Malawi) übernommen, einer Dach-Organisation der verschiedenen konfessionellen Gesundheitseinrichtungen, die wiederum vom Staat und Internationalen Geldgebern wie der EU refinanziert wird.

 Krankenhaus Impressionen

Für die Bevölkerung bedeutet dies im Krankheitsfalle entweder nur die Kosten für den Transport des Patienten plus der Begleitperson sowie Nahrungsmittel und Feuerholz – im Falle einer staatlichen Gesundheitseinrichtung – aufbringen zu müssen und sich der Ungewissheit eines korrupten und ineffizienten Gesundheitssystems auszusetzten oder aber eine der CHAM Einrichtungen aufzusuchen wo zusätzlich noch Gebühren in unterschiedlicher Höhe erhoben werden – je aufwendiger die Behandlung, desto mehr – aber davon auszugehen ist, dass die notwendigen Medikamente auch vorhnden sind.

Nur in den beiden größten Städten des Landes, Lilongwe und Blantyre, gibt es Facharzt-Praxen die Behandlungen zu durchaus europäischen Preisen durchführen – in ganz Malawi etwa 15 für das Fach Frauenheilkunde.

Dem St. Gabriel`s Hospital ist im staatlichen Plan die Funktion eines Distrikt-Krankenhauses zugewiesen, die es, allein schon durch die Anwesenheit von (deutschen) Fachärzten der Bereiche Innere Medizin, Chirurgie, Kinderheilkunde und Frauenheilkunde, deutlich übererfüllt. Möglich ist dies durch die großzügige Unterstützung seitens der Ze Zitha-Stiftung aus Luxembourg (s.d.).


Das Krankenhaus-Umfeld:

Es liegt sehr ländlich – wirklich im „Afrikanischen Busch“, ca. 60km von der Hauptstadt Malawis, Lilongwe, Richtung Westen, nahe der Grenze zu Mozambique. Es ist Teil einer Missionsstation die auch noch die Kirche, Pfarrhaus und ursprünglich mehrere Bildungseinrichtungen enthielt bis diese zur Unabhängigkeit in staatliche Hände übergeführt wurden. Nebenan liegt eine kleine Siedlung (Namitondo) deren wirtschaftliche Aktivität sich hauptsächlich aus dem SGH speist und 4 km entfernt an der Hauptstraße nach Mosambique die Kleinstadt Namitete.

Ein großer Vorteil ist gute Verkehrsanbindung: eine Asphaltstraße führt bis zum Eingang. Außerdem gibt es eine, allerdings unzuverlässige, Stromversorgung durch die staatliche „ESCOM“ und einen ergiebigen Brunnen, der ausreichend gutes Wasser liefert.

In der unmittelbaren Umgebung gibt es zweierlei wirtschaftliche Aktivitäten: zum einen leben hier viele Malawianer von der Subsistenz-Landwirtschaft, d.h. sie bauen Grundnahrungsmittel für den Eigenbedarf auf einem kleinen Stück Land an und hoffen auf ausreichende Niederschläge in der – einmal im Jahr stattfindenden – Regenzeit und damit auf eine Ernte die sie bis zum nächsten Jahr bringt. Einige bauen auch Tabak an, der verkauft wird um Geld zu bringen. Zum anderen gibt es einige Familien europäischer oder indischer Herkunft die noch zu Kolonialzeiten Land bekommen haben das sie jetzt in 400 bis 600 Hektar großen Farmen landwirtschaftlich bewirtschaften. Das gute Wetter und ein auch aus der Kolonialzeit stammender Staudamm, kaum einen Kilometer vom Krankenhaus entfernt, ermöglichen es mit Hilfe von Bewässerungs-Systemen, ganzjährig gute Ernten bei Mais, Bohnen und Tabak einzufahren und Viehwirschaft zu betreiben.








Die Krankenhaus-Anlage:

Das große, dem Krankenhaus zugeordnete Gelände gliedert sich einmal in den eigentlichen KH-Bereich, der mit einem stabilen Zaun umgeben ist sowie den Bereich der Unterkünfte für die KH-Mitarbeiter. Alle Gebäude sind einstöckige Ziegel-Bauten mit hölzernen Dachkonstruktionen und Wellblech-Abdeckung.

 

Im KH-Bereich liegen:

  • Das „Outpatient Department (OPD)“, etwa unserer KH-Aufnahme und Notfall-Aufnahme entsprechend, mit Räumlichkeiten für allgemeine Untersuchungen, Registratur und Kasse, Medikamentenausgabe, Labor sowie einem Trakt für die Behandlung durch „Spezialisten“ mit Röntgen und chirurgischem Behandlungsraum/Gipsraum, Internistischem US-Raum sowie, jetzt neu, Gynäkologischem Untersuchungsraum. Hier werden jedes Jahr etwa 55.000 Patienten behandelt.
  • Eine große Kinderstation mit einem Raum für 100 Betten gegliedert in solche für Unter- und Fehlernährte Kinder, Tuberkulose  und ansteckende Erkrankungen, chirurgische und allgemein Pädiatrische Erkrankungen. Dazu Räume für die Notfallaufnahme und -behandlung und eine große Schwesternkanzel.
  • Eine Chirurgischen Station mit jeweils 15 Männer- und Frauenbetten, hier liegen auch die Frauen nach gynäkologischen Operationen.
  • Eine 30-Betten Station für Männer mit Tuberkulose und allgemeinen internistischen Erkrankungen
  • Eine 30-Bettenstation für Frauen auch mit Tuberkulose, internistischen Erkrankungen aber auch Fehlgeburten und gynäkologischen Erkrankungen die noch nicht operiert wurden.
  • Ein weiterer Patiententrakt beinhaltet den Kreissaal mit 6 Entbindungsbetten nebeneinander, einen Raum in dem Frühgeborene von ihren Müttern mit der „Kägeruh-Methode“ aufgezogen werden können, einen Raum in dem Patienten intensiver überwacht werden können („High Dependency Unit – HDU“), zwei OP-Räume sowie einige kleine Räume für Reinigungs- und Sterilisationsarbeiten und Umkleiden.
  • Es gibt eine großzügig angelegte „Privatstation“ mit 15 Einzelzimmern, Entbindungsbereich, OPD (s.o.) und Räumen für internistische Endoskopie.
  • Ebenso großzügig ist ein Gebäudekomplex gehalten, in dem, ähnlich unserem Hospiz oder Palliativ-Station, unheilbar Erkrankte gepflegt bzw. deren Familien in die Lage versetzt werden, diese Pflege zu Hause durchzuführen. Früher galt dies vornehmlich AIDS-Erkrankten, heute wird von hier aus die ambulante HIV-Behandlung gesteuert und durchgeführt. Im stationären Bereich sind es heute vornehmlich Krebs-Erkrankte und solche in Spät-Stadien von Herz- oder Niereninsuffizienz die hier aufgenommen werden. Dieser Gebäudekomplex wird „Family Centered Care Unit – FCCU“ genannt.
  • Ein Verwaltungsbereich beinhaltet auch die Zentralapotheke und das Lager.
  • Ein weiteres Gebäude dient der freiwilligen Beschneidung von Männern (Ein amerikanisches Projekt: soll die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten und HIV eindämmen.)
  • Dann gibt es das Generatorhaus, die Küche, die Wäscherei, den Inzinerator und Werkstätten auf deren Dach sich 6 x  10m³ Wassertanks befinden die über Pumpen aus einem ergiebigen Brunnen befüllt werden und dann das Krankenhaus und die Personalunterkünfte mit Wasser versorgen.